Reisebericht Mpanda 14.09.  – 05.10.2017

von Richard Stampfl

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Vom 14. September bis 05. Oktober 2017 unternahm Dr. Winfried Grasbon seine 45. Operationsreise nach Afrika. Auf dieser Reise durfte ich ihn das erste Mal begleiten.

 

Ziel war, wie auch schon im März dieses Jahres, die Katavi-Region mit ihrer Hauptstadt Mpanda in Nordwesten von Tansania. In dieser Region, in der mittlerweile mehr als 1,2 Million Menschen leben, gibt es sehr viele Menschen die am Grauen Star erblindet sind. Bereits im Vorfeld war Dr. Msangama, der als Augenarzt im Regional Hospital von Mpanda arbeitet, jedoch nicht operativ tätig ist, in der Region unterwegs, um eine grobe Vorauswahl zu treffen, so dass bereits viele Patienten warteten.

 

Wir starteten am Donnerstag, den 14.09.2017 in München. Über Zürich ging es anschließend weiter nach Daressalam, wo wir bei den „Benediktine Fathers Kurasini“ die erste Nacht verbrachten. Durch einen Inlandsflug am nächsten Tag nach Mbeya erreichten wir unsere nächste Station.

 

Bruder Maurus, der Leiter des "St. Benedict House" in Mbeya wo wir die zweite Nacht verbrachten, zusammen mit Nolasko unserem Fahrer und Dr. Grasbon

Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Landcruiser über Tunduma weiter nach Sumbawanga, zur nächsten Übernachtungsstation im Moravian Conference Center und von dort am nächsten Tag, quer durch den Katavi Nationalpark, nach Mpanda, wo wir am Sitz des dortigen Bischofs nach vier Reisetagen unser endgültiges Quartier bezogen.

Reges Treiben in Tunduma und LKW Stau an der Grenze zu Sambia

Auf dem Weg nach Sumbawanga

Unser Quartier bei Bischof Gervas John Nyaisonga in Mpanda

Die Kirche in Mpanda, die am Sonntag zweimal mit ca. 1500 Gläubigen zum Gottesdienst, der ca. 3 Stunden! dauerte, gefüllt war.

Die ersten Tage waren Dr. Grasbon und sein Team mit Voruntersuchungen der Patienten und dem Einrichten des Operationssaals beschäftigt. Im OP-Gebäude konnten wir das sog. „Main Theatre“ belegen, welches uns für die Zeit unseres Aufenthalts zur Verfügung stand. 

Am Mittwochabend konnte Dr. Grasbon dann die ersten Operationen durchführen, ein junger Mann mit einer Verletzung und eine ältere Frau mit grauem Star.

Voruntersuchung

Einrichten des "Main Theatre"

Wenceslaus bei der Reparatur eines OP Mikroskops

Nach der OP erst mal einen großen Schluck Wasser

Die nächsten Tage waren geprägt von weiteren Voruntersuchungen, Operationen und Nachbehandlungen der bereits operierten Patienten.

Warten vor dem Office

Dr. Grasbon und Alma Itala bei einer Voruntersuchung

Auch einige Kinder waren wieder unter den vielen Patienten so wie Florence, der jedoch keine Operation brauchte

Der sechsjährige Francis, der an beiden Augen durch Grauen Star vollkommen erblindet ist, mit seiner Mutter bei der Voruntersuchung. Er soll ebenfalls in den nächsten Tagen operiert werden.

 

 

Am Montag, den 25. September 2017 machte Dr. Grasbon seine 5000. Augenoperation in Afrika und konnte an diesem Tag ein außergewöhnliches Jubiläum feiern.

Dr. Winfried Grasbon bei seiner 5000. Operation

Nach einigen Tagen stellten wir fest, dass der kleine Francis nicht mehr zur OP aufgetaucht war und wir begaben uns auf die Suche nach ihm. Wir kannten nur seinen Vornamen und seinen Wohnort, ca. 10km von Mpanda entfernt. Allerdings wussten wir wie er aussah, da ich ihn zusammen mit seiner Mutter bei der Voruntersuchung fotografiert hatte.

Alma, Nolasko und ich machten uns auf den Weg in das kleine Dorf, wo wir etliche Leute nach dem Jungen befragten, zunächst ohne Erfolg. An einem Brunnen, wo viele Menschen versammelt waren, hatten wir dann das Glück, dass einer die Mutter des Jungen auf meiner Kamera erkannte und uns den Weg zu deren Haus im Nachbarort zeigte.

Zur Freude aller konnten wir dann den kleinen Jungen, zusammen mit seiner Mutter, zurück ins Hospital nach Mpanda bringen, wo er von Dr. Grasbon am nächsten Tag erfolgreich an beiden Augen operiert werden konnte. Die Mutter war nach der Untersuchung wieder nach Hause gefahren war, da sie sich keine Unterkunft und keine Verpflegung leisten konnte. Die Frau erhielt von uns etwas Geld, so dass sie die nächsten Tage in der Stadt bleiben konnte.

Der kleine Francis wird zuhause abgeholt

... und seine Freunde und Geschwister schauen neugierig zu

Olaf bringt ihn liebevoll in den OP-Raum

Francis und Dr. Grasbon einige Tage nach der Operation.

Die Stufen vor dem Office konnte er alleine bewältigen und auch das "Pippi" (Bonbon) hat er jetzt gesehen und sich sofort geschnappt.

Insgesamt konnte Dr. Grasbon in diesem Zeitraum, mit der bewährten Unterstützung seines erfahrenen tansanischen Teams, mehr als 200 Untersuchungen und 85 Operationen durchführen.

 

Viele Gesichter und Geschichten werden mir in schöner Erinnerung bleiben:

So die Operation von Linus, bei dem während der Operation der Strom ausgefallen war und wir den Notstrom-Generator ganz schnell in Betrieb nehmen konnten, so dass sie trotzdem erfolgreich beendet werden konnte.

 

Oder Yusta Malimba, eine ältere Frau, die sich mit Wulstan fast während der gesamten Operation unterhalten hatte. Als ihr das erste Mal der Verband abgenommen wurde und sie merkte dass sie sehen konnte, fing sie zum Tanzen an und ist uns um den Hals gefallen.

 

Oder die Junge Mutter, die ihr Kind (Wema, 5 Monate alt) mit zur OP brachte. Einige Teammitglieder kümmerten sich fürsorglich um die Kleine während ihre Mutter operiert wurde.

 

Und nicht zuletzt die Suche nach Francis, den wir ausfindig machen konnten und die Geschichte dadurch ein glückliches Ende nahm.

 

Die kleine Wema mit ihrer Mama

Jeder darf mal aufpassen

Schwester Magreth nahm die kleine Huckepack, wo sie später dann einschlief

Am letzten Tag wurden dann nochmal alle Patienten untersucht und das obligatorischen Abschlussfotos gemacht. Die Patienten bedankten sich mit einem Brief, der vorgelesen wurde, bei Dr. Grasbon und seinen Helfern für die Hilfe die ihnen zuteil wurde. Für viele dieser Menschen erscheint das wie ein Wunder.

Thomas verliest einen Dankesbrief

Abschlussfoto in Mpanda

Am Dienstag nahm das ganze Team noch an der morgendlichen Besprechung des Hospitals teil, bei der sich die Hospital-Leitung nochmal herzlich für die geleistete Hilfe bedankte. Anschließend wurden alle Instrumente, Geräte und Materialien wieder zusammen gepackt und im Landcruiser verstaut, bevor wir unsere Rückreise, durch den Katavi-Nationalpark, nach Sumbawanga antraten. Ein Teil des Teams hatte sich bereits gegen Mittag mit dem Bus auf den Weg dorthin gemacht.

 

Dr. Grasbon bei seiner Rede vor der versammelten Mannschaft des Hospitals

Bei der Rückfahrt wurde unser Geländewagen ca. 60km vor Sumbawang in einen Unfall verwickelt, als ein Fahrzeug direkt auf uns zukam. Nolasko unser Fahrer konnte gerade noch ausweichen und Schlimmeres verhindern, so dass, Gott sei Dank, nur Sachschaden endstand.

Die Teammitglieder die bereits in Sumbawanga angekommen waren, organisierten ein Fahrzeug, das uns an der Unfallstelle abholte. Nach dem Tausch des demolierten Vorderrades konnten wir dann langsam weiterfahren, so dass wir weit nach Mitternacht unser Quartier im Moravian Conference Center erreichten.

Unser Auto nach dem Unfall

Am nächsten Tag brachte uns dann ein Fahrzeug incl. Fahrer der Benediktiner Mission von Sumbawanga zum Flughafen nach Mbeya, wo wir gerade noch rechtzeitig eintrafen. Dr. Grasbon und ich erreichten somit unseren anschließenden Rückflug von Daressalam nach Europa.

 

Gesund und glücklich über die geleistete Hilfe kehrten wir beide nach Deutschland zurück.

 

Die Zeit in Tansania war für mich sehr erlebnisreich. Insbesondere das Engagement von Dr. Grasbon und die Arbeit seines eingespielten Teams unter schwierigen Umständen beeindruckte mich sehr. Ich wünsche mir, dass die Spendenbereitschaft für den Verein Afrika-Blindenhilfe Hettenshausen e.V. nicht nachlässt und der "Daktari ya macho" noch viele Reisen unternehmen kann um den Menschen in Afrika zu helfen.

 

Richard Stampfl im Oktober 2017

 

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